Auktionsrecht

Die ärgerliche Auktion 


Herbert H. aus Österreich ist eigens zu einer Araberauktion 500 km weit gefahren. Im Katalog hat er sich einen Araber mit dem Mindestgebot von 12.000,00 DM ausgesucht. Im Verlauf des Versteigerungsverfahrens steigt der Preis bis auf 22.500,00 DM. Dieses letzte Gebot ist dann auch von Herrn H. Trotzdem erteilt der Auktionator als Versteigerer ihm nicht den Zuschlag, da der vom Verkäufer festgelegte Mindestpreis nicht erreicht worden ist. Erbost fährt H. ohne Pferd wieder zurück nach Hause und ärgert sich über die Fahrtkosten. Er fragt nach der Rechtslage in Deutschland, da er seine Fahrtkosten wieder haben möchte.

Die grundlegende Bestimmung befindet sich in §156 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Es heißt dort: "Bei einer Versteigerung kommt der Vertrag erst durch den Zuschlag zustande. Ein Gebot erlischt, wenn ein Übergebot abgegeben oder die Versteigerung ohne Erteilung des Zuschlages geschlossen wird."

Daraus ist zu folgern, daß es sich bei dem Gebot des Bieters um das Angebot zum Abschluß eines Vertrages handelt. Dieses Angebot kann von dem Versteigerer (für den Auftraggeber) durch den Zuschlag angenommen werden. Erst durch die Annahme des Angebotes kommt ein Kaufvertrag zustande. Der Bieter hat anders als wohl oft durch Laien angenommen, keinen Anspruch auf Erteilung des Zuschlages.

Im vorliegenden Fall hat der Versteigerer den Zuschlag offensichtlich deshalb nicht erteilt, weil er von seinem Auftraggeber intern die Weisung hatte, den Zuschlag erst bei einer bestimmten Mindestsumme zu erteilen. Diese Summe ist nicht erreicht worden. Der Versteigerer ist im übrigen nicht verpflichtet, den vom Eigentümer festgesetzten Mindestpreis bekannt zu geben. Es sei denn, daß dies in den Versteigerungsbedingungen vorgesehen ist.

 

Susanne Güldenpfennigs, Rechtsanwältin  u. Notarin